Ob Sklavenarbeit, Frondienst oder Lohnsklaverei, ob Reichsarbeitsdienst, Subbotnik oder “zwanglose Zwangsarbeit” in sanktionsbewehrten Grundsicherungssystemen der Moderne, es galt und gilt: Ausbeutung von Arbeit und Zwang zur Arbeit bilden die Grundlagen jeder Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit einer Gesellschaft. In solchen Ökonomien hat “Kunst” für Arbeiter, die ihre Befreiung von Arbeitszwang und Ausbeutung im Sinne haben, keinen Wert. “Kunst”, immer in dem Sinne begriffen, dass sie Unterhaltung bedeutet, ist das Gegenteil von Befreiung. “Kunst” kann und soll keine Abschaffung der Ausbeutung bewirken. Vielmehr soll sie, in ihrer Eigenschaft als ein durch die herrschende Minderheit finanziertes und in abgestecktem Rahmen ausdrücklich gestattetes Instrument, dem Arbeiter Ablenkung bieten auf seinen Wegen zwischen Kinosaal, Bett und Arbeitsstätte. “Kunst” soll Aufmerksamkeit, Unzufriedenheit und Elend des Arbeiters für eine Stunde, einen Abend, ein Wochenende bündeln, und unschädlich machen. Sie soll zur Vergesslichkeit beitragen, Zweifel streuen: Gegen was wollen wir denn hier rebellieren? Ist unsere Situation wirklich so schlecht? Werden wir wirklich ausgebeutet?

Schauspieler, Musiker und Schriftsteller können und sollen auf diese Fragen nur eine ganz bestimmte Antwort geben. Ob bundesdeutsche Heimatfilme, ob Blumfeld, Tocotronic oder Grass – die Wirklichkeit soll zwar beschrieben und dramatisiert werden, ihre Überwindung aber letzlich unnötig erscheinen. Folglich weiß jeder “gute Künstler” das Maul zu halten. Seine “Kunst” wird so beschaffen sein, dass sie Gemeintes nur andeutet.

Bedenkt man vor diesem Hintergrund nun den ewigen Mangel an Zeit aufseiten des Arbeiters, der nächste Arbeitstag ist stets nur wenige Stunden entfernt, bleibt diesem dann oft nichts anderes übrig, als das “Kunstwerk” für das zu nehmen, was es sein soll – eine bloße Möglichkeit zur Zerstreuung. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat es hinbekommen, diese praktische Anleitung zum Konformismus als ästethisches Prinzip für die moderne Literaturproduktion zu institutionalisieren. Ranickis Klagen über schlechte, weil “geschwätzige” Autoren schallen bis heute durch sämtliche Literaturseminare und Schriftstellerkurse. Über Günther Grass und dessen Roman “Ein weites Feld” schrieb Ranicki 1995 im Spiegel:

In den sechziger Jahren [...] wurden Sie aus einem im Grunde apolitischen Künstler ein leidenschaftlicher Amateurpolitiker. Diese Vokabel sollte Sie nicht kränken: Schriftsteller, die sich der Politik zuwenden, agieren so gut wie immer als Amateure – und wenn Sie Berufspolitiker werden, dann schaden Sie der Literatur, ohne der Politik zu nützen. [...] Darstellungen werden uns vorenthalten, mit Feststellungen werden wir überhäuft. [...] Das Unglück Ihres Romans besteht wohl darin, [...] daß es Ihnen aber nicht gelingen will, [...] Gedankliches ins Sinnliche zu übertragen, Geistiges also sichtbar und anschaulich zu machen. (1)

Nach Ranicki muss “Kunst” nicht um Verständlichkeit, sondern nur um Emotionalität bemüht sein. Einzig in einer Welt, die von materiell bedingten Klassenkonflikten befreit ist, in der “heilen Welt” also, hätte eine solcher Zweck von “Kunst” seine Berechtigung. Wo aber die Mehrheit der Menschen beherrscht und unfrei ist, weil sie arbeiten muss, um zu überleben, damit eine Minderheit den Reichtum aus dieser Arbeit genießen kann, ist “Kunst” nur für diese Minderheit eine Befreiung – von der Gefahr einer Revolution, und von der eigenen Langeweile.

(1) Spiegel, 34/1995

Holidays / Philosophy

21. Juli 2014

If you are being employed there is no such thing as “after hours” or “holidays”. There are just extended nonworking-times.

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If you and your employer can have the same philosophy in life, you should become suspicious of the nature of your philosophy.

Reason

19. Juli 2014

Listening to Richard Dawkins, Sam Harris and Christopher Hitchens, it becomes obvious that reason has turned into a cult. Those “reasonists”, vicious religious fanatics, are hostile towards the unfaithful who dare violating the commandments of reason – most notorious amongst them: subservience to power, the superiority of western law, the superiority of science, the inferiority and stupidity of the average man, the inferiority of the muslim world, and all else who find peace and self-determination outside the borders of western cultural, political and economic domain.

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