Da hat der liebe deutsche Staat all seinen Insassen – Inländern wie Ausländern – Armut per Gesetz beschert, so wird dann hier gearbeitet ohne die Familie ernähren zu können, da werden Sozialleistungen zusammengestrichen, dass es kracht, und trotzdem rufen die braven, pflichtbewussten Deutschen nach dem starken Staat: Er möge sie doch bitte von den vielen, vielen Ausländern befreien, die mit ihnen zusammen im Armutsghetto dahin vegetieren.

Davon erhoffen sich diese Nationalisten dann eine Verbesserung ihrer sozialen und ökonomischen Verhältnisse. Als ob es am Ausländer liegen würde, dass der Staat ihnen Hartz IV aufgebürdet hat, als ob sich an den Niedriglöhnen, welche tapfere deutsche Unternehmer zu vergeben haben, irgendetwas ändern würde, wären die bösen Asylanten und Sozialschmarotzer nur endlich draußen. Als ob es im Interesse des Staates liegen könnte, dass in Deutschland der breiten (deutschen oder nichtdeutschen) Masse lebenswerte Verhältnisse geschaffen werden. Der deutsche Staat und seine Unternehmen scheren sich einen Scheißdreck um Hautfarbe und Nationalität ihrer Lohnsklaven.

Nationalisten haben das noch nicht gecheckt. Sie glauben an die eine große harmonische Familie aus deutschem Unternehmertum und deutschen Arbeitern – alle Klassengegensätze würden verschwinden, sobald der Unternehmer nur endlich im “nationalen Interesse” wirtschaften würde. Das aber ist nicht seine Rechnung, der Unternehmer, er kalkuliert nur mit Profit.

Nationalisten sind also Klapsmühlenfälle. Das gilt vor allem für diejenigen unter ihnen, die von den neoliberalen Reformen der letzten 30 Jahre besonders hart getroffen worden sind: die, die arm trotz Arbeit sind, und die, die bereits durch alle Netze gedonnert sind, arbeitslos, perspektivlos, dem Willen der staatlichen Behörden mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert, weil sie aufgrund ihrer prekären Lebenssituation oft nicht mehr die Kapazitäten mitbringen, sich zu wehren, ohne nicht auch noch ihr letztes bisschen Lebensgrundlage zu verspielen, d.h. ohne Sanktionen zu bekommen und obdachlos zu werden, oder gleich im Gefängnis zu landen. Das Fernziel des Staates ist immer: Die Zurichtung des Einzelnen für die Interessen der heimischen, in diesem Fall der deutschen Unternehmer. Ganz gleich, ob die Regierungspolitik jetzt konservativ-liberal, sozialdemokratisch oder national ausgerichtet wird – die Ökonomie gibt stets den Takt vor. Und trotzdem halten gerade die enttäuschten, verarmten Nationalisten umso vehementer an ihrem Wahn fest, es könnte gelingen, die Klassengegensätze dieser Ökonomie durch nationale Politik zu überwinden. Als sei es gerade nicht  diese, die deutsche Nation, welche sie immer und immer wieder zurück ins Elend stürzt, als könnte man realistischerweise etwas anderes vom deutschen (oder irgendeinem anderen) Staat erwarten. Nationalismus ist wahrlich verrückt.

verwendete Literatur:
Freerk Huisken, Deutsche Lehren aus Rostock und Mölln – Nichts als Nationalismus 1, VSA-Verlag, 2001
Freerk Huisken, Der demokratische Schoß ist fruchtbar, VSA-Verlag, 2012

Die Lebensmarschierer fühlen sich ihrer “Berliner Erklärung” zufolge dreier Grundsätze verpflichtet. Diese lauten: “Jeder Mensch, ob geboren oder ungeboren, hat das Recht auf Leben und Achtung seiner Würde. Jeder Mensch ist gleich wertvoll, unabhängig vom Stand seiner Entwicklung, von Eigenschaften und Umständen. Die Schutzpflicht des Staates gilt jedem einzelnen Menschen ab der Zeugung. Dessen Menschenwürde und Lebensrecht ist unabhängig von der Entscheidung Dritter.” (1)

Das klingt nach linkem Gutmenschentum: Jeder Mensch gleich wertvoll? Ein Recht auf Leben und Achtung der Würde? Der Staat als Schutzpatron egalitärer Verhältnisse? Wer jetzt denkt, dass diese Botschaft viel zu gut klingt, wenn sich doch CDU, AfD und die Journaillen jungefreiheit, politically incorrect und eigentümlichfrei widerspruchslos unter ihr sammeln können, der denkt in die richtige Richtung. (2)

Die Lebensmarschierer haben mitnichten vor “das Leben” zu schützen oder wahllos Anspruchstitel auf Würde zu verteilen. Das Motto des diesjährigen Marsches lautete “Ja zum Leben – für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“. Es sollen eine Sexualmoral und ein Familienbild verteidigt werden. Zu sozialen und ökonomischen Missständen kein Wort. So zählen afrikanische Flüchtlinge, deren Heimatländer von europäischen Konzernen nach Ende der Kolonialphase erst recht hemmungslos ausgeplündert werden, Flüchtlinge, die von Europa im Mittelmeer ertränkt werden, wohl nicht zum schützenswerten Leben. Ebensowenig schützenswert sind ihnen diejenigen, die in Europa in Vollzeit und darüberhinaus arbeiten, und am Ende trotzdem nicht genug zu fressen haben. Der Tod durch Hunger oder mangelnde medizinische Versorgung ist den Lebensmarschierern nicht verhütenswert, vor allem dann nicht, handelt es sich bei den Opfern um sozialschmarotzende “Neger” und “Zigeuner”. Die sollen in Bulgarien gefälligst Maschinenteile für 20 Cents pro Stunde zusammensetzen, und deutschen Geflügelmüll kaufen.

(1) http://www.marsch-fuer-das-leben.de/berliner_erklaerung.php
(2) PI, jungefreiheit, eigentümlichfrei

Dass Deutschland eine Bundeswehr unterhalten muss, obwohl es doch angeblich “von Freunden umgeben” ist, und dass deutsche Soldaten “in Friedenszeiten” in Afghanistan, ex-jugoslawischen Teilrepubliken, dem Irak oder vor afrikanischen Küsten “legitime deutsche Interessen” wahrnehmen muss, wo doch jedem Kind die gute Bundeswehr nur als reine Verteidigungsarmee bekannt ist, leuchtet dem vernünftigen Menschen nicht ein. Er, der Vernünftige, der er in allen Gesellschaften die Mehrheit stellt, schert sich nämlich einen Scheißdreck um das “nationale Interesse” und hält Krieg und Vernichtung in seinem Namen für inakzeptabel. Und wie könnte es auch anders sein? Genau wie Wilhelminismus und Nazi-Faschismus sind sämtliche Sonntagsreden für eine “aktivere Rolle Deutschlands in der Welt” (Joachim Gauck) und die Parteinahme für eine möglichst rasche Instandsetzung der Kampftauglichkeit der Bundeswehr ein Elitenprojekt. Diese Vernunft der Mehrheit aber will die schwarz-rote Regierung, wie alle anderen vor ihr, im Interesse des deutschen, global agierenden Unternehmertums endlich sturmreif geschossen sehen. Auf die Hilfe einer willfährigen Journaille muss sie dabei nicht verzichten.

Denn diese versucht derzeit verstärkt, der so vernünftig-unvernünftigen Masse begreiflich zu machen, warum ausgerechnet sie sich Sorgen machen muss, wenn der Bundeswehr kein mordtaugliches Instrument zur Verfügung steht. Deutschland müsse seine Rolle in der Welt einnehmen, und Verantwortung übernehmen! Kirche, Staat und Kapital sind sich einig: das ist nicht mehr ohne Krieg zu haben. Und hier wird die Lage durchaus ernst. Da war Anfang 2013, man erinnere sich, zunächst das “Drohnen-Desaster”. Der deutsche Staat investiert Millionen in Überwachungs- und Mordwerkzeug für die nächsten Kriege, und dann kann diesem Gerät nicht einmal die Fluggenehmigung fürs Inland erteilt werden – Aus der Traum vom eigenen Drohnensystem, doch es kommt noch schlimmer: aus heimischer Produktion ist erst einmal kein geeigneter Platzhalter zu erwarten, denn die ansässige Industrie habe den “Trend” leider “komplett verschlafen“. (1)

Auch die Infanterie hat so ihre Probleme. So berichtete u.a. die ARD bereits mehrfach über etwaige Unzulänglichkeiten im Zusammenhang mit dem Standardsturmgewehr G36. Nicht nur “peinlich” sondern auch “höchstgefährlich” sei es, dass das G36 der Bundeswehr seine Treffsicherheit verliere, sobald die Waffe heiß geschossen sei. Das Ausrüstungsamt der Bundeswehr nahm Hersteller Heckler&Koch jedoch sogleich in Schutz. An der Waffe liege es nicht. Diese sei Untersuchungen zur Folge “technisch zuverlässig und ohne Mängel“. Vielmehr habe man die Munition in Verdacht. (2) Doch damit nicht genug der Katastrophe. Wie jetzt zu erfahren ist, sind nur etwa die Hälfte der Eurofighter einsatzbereit, und nur etwa 70 von 180 Panzern. (3) Die deutsche Marine ist gar ein Komplettausfall. Derzeit seien alle 22 Hubschrauber vom Typ SeaLynx fluguntauglich. (4) Bei all diesen Rückschlägen in letzter Zeit sei die Bundeswehr daher nur “bedingt abwehrbereit“, urteilt die WELT besorgt. (5). Die heimische Bevölkerung lässt sich davon jedoch bisher nicht beunruhigen.
 

(1) ZEIT ONLINE, 15.05.2013
(2) Tagesschau.de, 21.02.2014
(3) ZEIT ONLINE, 24.09.2014
(4) Tagesschau.de, 22.09.2014
(5) DIE WELT, 24.09.2014

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