Armut und Kriminalität

28. August 2014

Die beste Methode zur Kriminalitätsbekämpfung ist immer noch eine wirksame Armutsbekämpfung. Wer genug zu fressen und ein Dach über dem Kopf hat, wer am gesellschaftlichen Leben teilnehmen darf und arbeiten oder studieren kann, was ihm gefällt, anstatt ständig von materieller Not bedroht zu sein (Arbeitslosigkeit+HartzIV-Sanktionen), der ist nicht mehr darauf angewiesen zu dealen oder zu stehlen. Dieses System braucht jedoch verarmte, billige Arbeitskräfte, die keine Ansprüche stellen. Und genau diese bekommt es auch. Und einige von diesen Armen finden alternative Wege ihr Einkommen aufzubessern, bzw. sich die Mittel (Alkohol, Koks, Heroin, Schmerzmittel, whatever!) zu verschaffen, mit deren Hilfe sie ihr Dasein wenigstens stundenweise noch erträglich gestalten können.

Die meisten, die im Knast sitzen, sind arm hinein, und noch viel ärmer wieder heraus gekommen. Die Konsequenz: Rückfälligkeit, Rückfälligkeit, Rückfälligkeit. Wer angesichts dieser Tatsache dennoch nach Knast und Polizei ruft, hat meiner Ansicht nach nicht nur nichts verstanden, sondern auch gar kein wirkliches Interesse daran, all die “hilflosen Kinder” vor “Kriminellen” zu schützen, was ja ein legitimes Anliegen wäre. Wer ein bestimmtes Ereignis für die Zukunft verhindern will, muss nach den Ursachen des unerwünschten Ereignisses schauen, und danach(!) die jeweils geeigneten Mittel ergreifen. Alles andere setzt diese Spirale von Armut und Kriminalität bis ins Unendliche fort.

In Administrationen von Terrorstaaten wie dem israelischen gilt es als selbstverständlich, dass die Opfer der eigenen Aggression gefälligst im Stillen zu leiden haben. Alles andere ist mittlerweile schlecht fürs internationale Image, vor allem dann, wenn Antisemitismuskampagnen auch in Europa ein Schweigen der Bevölkerungen, ob israelischer Greueltaten gegen Palästina, nicht mehr sicherstellen können. Die Situation ist wirklich kompliziert: Palästinenser wählen die falschen Repräsentanten, sie wagen es, ohne Rücksprache mit Israel und den USA die Unabhängigkeit auszurufen, sie beklagen sich ohne Unterlass über die Besatzung ihrer Territorien, sie wollen den Siedlungsbau nicht hinnehmen, sie buddeln Tunnel unter ihrem eigenen Land, und schießen mit Spielzeugraketen in den Vorgarten ihres Nachbarns, der ihre Kinder tötet – der palästinensische Untermensch ist eben nur schwer zu erziehen.

“Während der neun Monate Verhandlungen habe ich nicht gesehen, dass die Palästinenser uns etwas gegeben haben“, beklagt sich Yaakov Amidror, bis November 2013 Chefpsychopath für nationale Sicherheitsfragen unter Netanjahu, im ARD-Interview mit Richard Schneider (1). Amidrors Empörung ist nachvollziehbar, denn noch gibt es fruchtbare Landstriche im Westjordanland, die noch nicht israelisches Siedlungs- und damit Staatsgebiet geworden sind. Laut Amridor wissen nur Israel und die USA, was gut für Palästina ist: “Wir sollten das Gebiet nicht der Hamas überlassen, ohne die Tunnel zerstört zu haben. Ich glaube, dass die Amerikaner verstehen, dass wenn sie den Palästinensern in Gaza die Chance geben wollen, ihr Leben neu zu gestalten, so sollte dies in Kooperation mit Ägypten geschehen. Ohne Ägypten geht es nicht. Und ich sehe weder uns noch die Ägypter zustimmen, dass die Hamas ihr Potenzial in der Zukunft wieder aufbaut.” Was die palästinensische Zivilbevölkerung wollen könnte, spielt keine Rolle. Dass die Hamas gewählter politischer Repräsentant der Palästinenser im Gazastreifen ist, ebenfalls nicht. Friedensgespräche können und dürfen nicht stattfinden, solange Palästinenser noch nicht aufgegeben haben, auf Unabhängigkeit zu bestehen.

Diese politische Haltung ist nicht nur schlecht für Palästina, sondern auch für Israel. “Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben“, sagte einst der Anarchist August Spies. So werden irgendwann erneut unschuldige Israelis oder deren Kinder, die mit den Massakern ihrer Regierung in Gaza, dem Siedlungs- und Mauerbau in Ostjerusalem und dem Westjordanland nichts zu tun hatten, für diese und andere (Kriegs-)verbrechen mit ihrem Blut bezahlen müssen. Doch was sind schon ein paar tote Israelis und Palästinenser angesichts der Möglichkeit, politische Kontrolle über Palästina auszuüben und mittels Krieg territoriale Ausdehnung zu betreiben? Für die Vorbereitung und Durchführung von Angriffskriegen, wie sie die Netanjahu-Administration und andere vor ihr in Gaza, anderen Teilen Palästinas und in umliegenden arabischen Staaten in den letzten 50 Jahren veranstaltet haben, ist Naziaußenminister Joachim von Ribbentrop 1946 völlig zurecht am Galgen gelandet.

(1) http://www.tagesschau.de/ausland/interview-amidor-100.html

Es ist daher ein Grundsatz der Sklavenwirtschaft in Ländern der Sklaveneinfuhr, dass die wirksamste Ökonomie darin besteht, die größtmögliche Masse Leistung in möglichst kurzer Zeit aus dem “Menschenvieh” auszupressen. [...] Mutato nomine de te fabula narratur! Lies statt Sklavenhandel Arbeitsmarkt, statt Kentucky und Virginien Irland und die landwirtschaftlichen Bezirke von England, Schottland und Wales, statt Afrika Deutschland! Wir hörten, wie die Überarbeit mit den Bäckern in London aufräumt, und dennoch ist der Londoner Arbeitsmarkt stets überfüllt mit deutschen und anderen Todeskandidaten für die Bäckerei. [...] Diese Menschenpakete wurden geliefert mit Etiketten [...] auf Kanälen und Lastwagen – einige strolchten zu Fuß nach [...] Dieser regelmäßige Handel, dieser Schacher in Menschenfleisch dauerte fort, und diese Leute wurden gekauft und verkauft von den Agenten in Manchester an die Fabrikanten in Manchester, ganz so regelmäßig wie Neger an die Baumwollpflanzer der südlichen Staaten.

- Karl Marx, Das Kapital, S.260 f.

(Mutato nomine de te fabula narratur! = Mit anderem Namen handelt von Dir die Geschichte!)

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