GEGEN KAPITAL UND NATION

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Der Kindesmissbrauch, der Gebrauch der Kinder, der Kinderschänder, die Schande des Kindes

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Wer den „Kindesmissbrauch“ beklagt, der geht immer vom korrekten Gebrauchenkönnen eines Kindes aus. So ist Vaginalpenetration einer Vierjährigen ein mögliches Beispiel von unkorrektem Gebrauch. Für die Ablehnung von Vaginalpenetration bei Vierjährigen gibt es tatsächlich viele gute Gründe, doch spielen die, lautet die Klage einmal auf „Kindesmissbrauch“, sowieso keine Rolle mehr, da es bei einer solchen Klage niemals um das Kind selbst geht, und was es erlitten hat, sondern darum, was man mit dem Kind korrekterweise hätte anstellen sollen.

Die Rede vom „Kinderschänder“ schließt sich logisch an: Wer Kinder missbraucht, der ist ein „Kinderschänder“, der hat Schande über das Kind gebracht, der hat es geschändet, das Kind, es lebt nun in Schande. Die Unschuld des Kindes, seine Formbarkeit, das, was in den Augen seiner Verwalter, also der Eltern und des Staates, einst nützliches an ihm war, ist fort. Das für die Verwalter sie selbst erhebende am Kind, das bezaubernde des Kindlichen auf der einen Seite, sein Nutzenpotential auf der anderen Seite, das heißt der ganz und gar dingliche Charakter, den das Kind für seiner Verwalter besitzt, ist ohne Erlaubnis einem Dritten zuteil geworden.

Diese Gesellschaft achtet also, wie man leicht erkennt, ganz besonders gut auf die Kinder. Denn deren Benutzbarkeit für den kapitalistischen Standort Deutschland darf von niemandem beeinträchtigt werden, der dazu nicht gerade irgendwie befugt ist: Wie z.B. die Eltern, wenn die ihre Kinder wegen Ungehorsams standesgemäß verdreschen, oder der Staat, wenn der die Kinder per Schulkarriere so ziemlich endgültig in die Armut schickt, oder die kapitalistischen Unternehmen, wenn diese zum Zwecke des Profits die arbeitenden Eltern töten.

Written by leftwingedbastard

18. August 2015 at 08:35

Nachdenkseiten: Linke Rechtfertigungen von Armut und Kapitalismus

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Auf der Suche nach guten Gründen

Manchmal sagen Leserbriefe mehr als tausend Artikel, wenn es darum geht, sich über die politische Stoßrichtung eines journalistischen Mediums klar zu werden. Die im linken Quadranten des Internets vielseitig beliebten „Nachdenkseiten“ sind so ein Fall. So erfährt man von einem ihrer Leser: „Sehr geehrte Damen und Herren, auch wenn es etwas banal kling, aber seitdem ich nachdenkseiten.de lese und die empfohlenen Bücher, fühle ich mich nicht mehr so wie ein Verbannter in einem mir fremd gewordenen Land. Herzlichen Dank und möge es Ihnen gutgehen.

Nein, lieber Leser, das ist überhaupt nicht banal, sondern trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Die „Nachdenkseiten“ liefern nämlich die journalistische Betreuung für alldiejenigen Bürger, die eine altruistische Kritik am demokratisch regierten Kapitalismus Deutschlands haben, gleichzeitig aber weder auf Deutschland noch auf den Kapitalismus verzichten wollen. Was BILD und „politcally incorrect“ für hartgesottene Nationalisten aus dem rechten Lager sind, das sind die „Nachdenkseiten“ für Bürger mit sozialem Gewissen. Wem also abends beim Einschlafen der Penner aus der Einkaufspassage wieder einfällt, wen die deutsche Flüchtlingspolitik moralisch abstößt, oder wer gar selbst am Rande oder schon inmitten gröbster Armut sein Leben fristen muss, und deshalb ständig auf der Suche nach guten Gründen dafür ist, es sich in Deutschland trotzdem gemütlich machen zu können, den beliefern die Nachdenkseiten im Wochentagsrhythmus.

Dort findet ein geneigter Leser dann alles, was er so braucht, um nicht vom Glauben an Deutschland und seine kapitalistische Zurichtung abzufallen: eine endlose Barrage an Skandalisierungen der nationalen Zustände – von schrecklichster Armut und ihren Gründen: wirtschaftliche Korruption, politisches „Missmanagement“, Raubtierkapitalismus, Profitgier und Wucherei, kurzum die Anklage der charakterlich-moralischen Nichteignung des Führungspersonals – logischerweise verbunden mit dem versöhnlichen Angebot, der tröstlichen Aussicht, dass das alles ja eigentlich gar nicht so sein müsste. Getreu dem Motto ihres keynesianischen Hohepriesters Flassbeck: Wenn wir nur endlich eine kompetente Regierung bekommen könnten!

Kapitalismus gut, Mensch böse

Die gute Nachricht, mit der die „Nachdenkseiten“ aufwarten, ist also: Die deutsche Nation und ihr Kapitalismus sind rettbar. Vor den Menschen, die darin leben! Die Armut der Massen; sie ist nur das tragische Resultat übererfüllter Unternehmenspolitik („Profitgier“) auf der einen, und unterlassener Hilfeleistung („Staatsversagen“) auf der anderen Seite. Was im Kapitalismus als scheinbar unauflöslicher Gegensatz auftaucht, das Interesse des Unternehmers am Profit und seine Kehrseite, dem Interesse des Arbeiters an einem möglichst auskömmlichen Lohn, ist in Wahrheit bloß ein noch nicht in Balance gebrachtes Verhältnis zweier Seiten, die eigentlich ja genau das gleiche wollen: der Gemeinschaft ihre Güter und Dienstleistungen beschaffen. Und der deutsche Staat und seine Abteilungen sind auch nicht Schutzherren der Ausbeutung des Arbeiters, sondern Garant so toller Dinge wie dem Streikrecht, also der staatlichen Erlaubnis, sich als Arbeiter in Lohnverzicht üben zu dürfen, wenn der Lohn mal wieder nicht zum Leben reicht – in der Hoffnung auf mehr Lohn.

Mit Kritik an den Verhältnissen, die die beklagte Armut hervorbringt, hat so eine Haltung natürlich nichts zu tun. In ihrem Grunde ist sie eine reichlich verrückte Kritik des Menschen an sich selbst, die an das Christentum erinnert: Der Mensch ist ein Sünder. Er ist so klein und schwach, weil Gott so groß und mächtig ist; was erklärlich werden lässt, warum das Christentum so gut zur bürgerlichen Gesellschaft passt. Auch dort gilt es nämlich als durchgesetzt, dass die Gesellschaft an der Unfähigkeit ihrer Mitglieder leidet, diese zweckgemäß zu organisieren. Die „Nachdenkseiten“ sind ein ganz großer Fan dieser üblen, weil grundlosen Selbstkritik. Es ist nämlich gar nicht so, dass diese Gesellschaft mit ihrem Kapitalismus nicht zweckmäßig organisiert worden wäre. Wenn der Zweck lautet, aus Geld mehr Geld zu machen (Profit!), dann könnte die hiesige Gesellschaft nicht zweckmäßiger organisiert worden sein. Da die „Nachdenkseiten“ nichts gegen Profit, wohl aber Profitgier, nichts gegen Kapitalismus, wohl aber gegen Casino- und Raubtierkapitalismus einzuwenden wissen, können und wollen sie den Kapitalismus auch gar nicht kritisieren, haben sie ihn doch bereits vor seinen, rein auf menschliche Defizite zurückzuführende Perversionen in Schutz genommen, und ihm so seine prinzipielle Nützlichkeit für menschliches Wirtschaften ausgesprochen.

Unter solchen Vorzeichen wird Armut dann zur gesellschaftlichen Notwendigkeit, zum Derivat menschlicher Natur. Ein passender Beitrag zum Stammtisch: „Armut? Die wird’s eh immer geben!“

Written by leftwingedbastard

8. Juli 2015 at 04:39

Israel: Ein bürgerlicher Nationalstaat

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Mit einem haben Israels eiserne Verteidiger vollkommen recht: Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten! Wie sehr das stimmt, und dass das überhaupt nichts gutes ist, wissen sie dabei gar nicht. So ist Israel tatsächlich die einzige, ganz nach westlichem Vorbilde eingerichtete, kapitalistische Demokratie in der Gegend da unten. Es ist ein bürgerlicher Nationalstaat par exellence. Mit allem was so dazu gehört, z.B. mit Armut, Reichtum, sozialen Unruhen, und mit Regeln für die Erkennung von zugehörigem und unzugehörigem Menschenmaterial: Israel ist nämlich dedizierter Judenstaat; d.h. ein Staat von Juden für Juden, und zwar für alle von ihnen. Als ein solcher Staat kennt Israel Asyl-, Aus- und Einwanderungsgesetze, den Schutz von Grenzen, besitzt er Polizei- und Militärapparate zur Disziplinierung seiner Untertanen und zur Durchsetzung imperialer Interessen im nähreren und ferneren Ausland. Es stimmt also: Israel ist nicht viel mehr und nicht viel weniger als ein stinknormaler, bürgerlicher Nationalstaat – im Nahen Osten gelegen. Kein Wunder also, dass Staaten wie Deutschland Israel zur Seite stehen wollen. Bei deutscher Unterstützung für Israel geht es dann auch nie um Holocaustbuße, wie manch Linke sich das vielleicht denken mögen, da geht es um imperiale Jointventures, da sind die Interessen und Strukturen beider Staaten ähnlich genug, damit politisch und militärisch auf der Welt gemeinsame Sache gemacht werden kann.

Das verrückte an Israel und seinen Wehrgängern ist daher auch: Gerade ein solcher Staat,  d.h. die hinter ihm stehende rassistische Idee der bürgerlichen Nationalstaatlichkeit für eine bestimmte, als Fraktion mit völkischer Identität zusammengedachte, mit teils gleichen Merkmalen behaftete Gruppierung von Menschen (in diesem Fall: Juden) unter prinzipiellem Ausschluss aller anderen, soll die logische Konsequenz aus der nationalistisch-bürgerlich betriebenen Vernichtung einer absolut unzugehörigen Fraktion (Juden) in Nazideutschland sein. Als sei Hitlerdeutschland nicht auch ein bürgerlicher Nationalstaat gewesen – von Deutschen für Deutsche; exkludierte: Juden, Roma, andere Nicht-Arier, Kranke, Asoziale, Kommunisten. Die Konsequenz aus dem Holocaust soll also sein die Wiederholung derselben politischen Herrschaftsidee – bloß dieses Mal nicht unter faschistischen, sondern unter demokratischen Vorzeichen. Und wie man sieht: Fürs Unternehmen (utilitaristische) Auftrennung von Menschen in In- und Ausländer, in Rassen (USA: „black vote“, „latino vote“, „white vote“) und Begabungen (mehrgliedrige Schulsysteme), für faschistoide Bevölkerungskontrolle (deutsche Notstandsgesetze) und imperiale Kriege (Russlands Kriminvasion 2014, Israel seit 1968 in den palästinensischen Gebieten, Libanon und Syrien, NATOs Kosovokrieg 1999 etc.) braucht es gar keine Faschisten, Demokraten beherrschen dies alles ebenso gut.

An Israel gibt es nichts zu verteidigen, was an anderer Stelle nicht mit Recht kritisiert worden wäre und wird; z.B. an einem möglichen Nationalstaat Palästina: ein solcher Staat, heißt es da zurecht, wäre nichts weiter als die rassistische Antipode zum benachbarten Judenstaat, ein nach In- und Ausländer, nach Muslim und Nichtmuslim scheidendes, ein nach innen mit der üblichen Härte regierendes, und nach außen mit Israel um Macht und Geltung in der Region und der Welt streitendes Staatswesen.

An einer solchen Situation ist überhaupt nichts gut. An Staaten gibt es keine zu verteidigen.

Written by leftwingedbastard

18. Juni 2015 at 16:10