GEGEN KAPITAL UND NATION

leftwinged//bastard

Zum Verbot der Prostitution

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In der Diskussion um eine Rekriminalisierung der Prostitution in Deutschland wird, als argumentative Stütze, häufig vom „Verkauf“ des Körpers gesprochen. Diese Annahme ist falsch. Menschen, die der Prostitution nachgehen, „verkaufen“ sich nicht. Sie verwandeln sich nicht in Sklaven, ihre Körper werden nicht zum Eigentum eines anderen. Vielmehr „vermieten“ sie ihre Körper, bieten sie Dienstleistungen an. Der Körper ist dabei nur Werkzeug zur Ableistung.

Wer nun die Prostitution rekriminalisieren möchte, steht vor einem Problem.

Wenn die Vermietung des eigenen Körpers zum Zwecke der Leistung eines Dienstes strafbewehrt sein kann, stellt sich unmittelbar die Frage, warum ein selbstständiger Maurer künftig straflos seine Dienste anbieten können sollte. Noch deutlicher wird das Problem, betrachtet man nicht die selbständige sondern die, im Kapitalismus üblichere, abhängige Beschäftigung. Eine Supermarktkassiererin vermietet ihren Körper gegen Entgelt an einen Arbeitgeber. In diesem Verhältnis stehend, ist sie ihm gegenüber unmittelbar weisungsgebunden, und also unfrei im Hinblick auf die Art und Weise der Nutzung ihrer körperlichen und geistigen Ressourcen im Prozess der Arbeit. Erschwerend hinzu kommt die überhaupt nicht originelle Feststellung, dass erster und einziger Grund für die Beschäftigung der Kassierin gewesen ist, die Überzeugung des Arbeitgebers aus ihrem Körper einen Profit extrahieren zu können.

Das Problem besteht also darin, zu begründen, warum ausgerechnet die Prostituion im unüberischtlichen, beruflichen Gemenge kapitalistischer Selbst- und Fremdausbeutung eine Sonderrolle einnehmen muss. Mit anderen Worten, zu begründen, warum ein Tariflohn von 7,56€ für das Reinigen eines Büros mit der Menschenwürde vereinbar ist, nicht aber 50€ für zwanzig Minuten Geschlechtsverkehr.

Dies kann freilich nicht sinnvoll begründet werden. Prostitution muss daher als etwas ganz eigenes, sonderbares, ungehöriges begriffen werden. Die deutsche Kampagnenführerin Alice Schwarzer verwendet zu diesem Zweck die Begriffe Prostitution und Menschenhandel synonym, als stünde letzteres bis heute in Deutschland nicht unter Strafe, oder sei Grundvoraussetzung jeder Prostitution. Schwarzer und ihre Unterstützer haben nichts gegen die Ausbeutung der Frau, solange die Ausbeutung nur „sauber“ ist.

Damit werden sie ironischerweise zu den Totengräbern der Frauenrechtsbewegungen der 60er und 70er, deren Grundgedanke die soziale Gleichheit aller Menschen gewesen ist. Die selbe Alice Schwarzer, die Mitte der 70er für ein Recht auf Abtreibung eintrat, wirkt seit vielen Jahren daran mit, die Fortschritte, die emanzipatorische Bürgerrechtsbewegungen erreicht haben, wieder zu zerstören.

Der Frau mag ihr Bauch mittlerweile gehören, alles darunter gehört immer noch den selbsternannten Sittenwächtern.

Written by leftwingedbastard

28. November 2013 um 18:51

Eine Antwort

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  1. Exzellent! Man könnte Heuchelei nicht besser beschreiben.
    Nette Grüße

    alphachamber

    28. November 2013 at 19:29


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