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Israel: Ein bürgerlicher Nationalstaat

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Mit einem haben Israels eiserne Verteidiger vollkommen recht: Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten! Wie sehr das stimmt, und dass das überhaupt nichts gutes ist, wissen sie dabei gar nicht. So ist Israel tatsächlich die einzige, ganz nach westlichem Vorbilde eingerichtete, kapitalistische Demokratie in der Gegend da unten. Es ist ein bürgerlicher Nationalstaat par exellence. Mit allem was so dazu gehört, z.B. mit Armut, Reichtum, sozialen Unruhen, und mit Regeln für die Erkennung von zugehörigem und unzugehörigem Menschenmaterial: Israel ist nämlich dedizierter Judenstaat; d.h. ein Staat von Juden für Juden, und zwar für alle von ihnen. Als ein solcher Staat kennt Israel Asyl-, Aus- und Einwanderungsgesetze, den Schutz von Grenzen, besitzt er Polizei- und Militärapparate zur Disziplinierung seiner Untertanen und zur Durchsetzung imperialer Interessen im nähreren und ferneren Ausland. Es stimmt also: Israel ist nicht viel mehr und nicht viel weniger als ein stinknormaler, bürgerlicher Nationalstaat – im Nahen Osten gelegen. Kein Wunder also, dass Staaten wie Deutschland Israel zur Seite stehen wollen. Bei deutscher Unterstützung für Israel geht es dann auch nie um Holocaustbuße, wie manch Linke sich das vielleicht denken mögen, da geht es um imperiale Jointventures, da sind die Interessen und Strukturen beider Staaten ähnlich genug, damit politisch und militärisch auf der Welt gemeinsame Sache gemacht werden kann.

Das verrückte an Israel und seinen Wehrgängern ist daher auch: Gerade ein solcher Staat,  d.h. die hinter ihm stehende rassistische Idee der bürgerlichen Nationalstaatlichkeit für eine bestimmte, als Fraktion mit völkischer Identität zusammengedachte, mit teils gleichen Merkmalen behaftete Gruppierung von Menschen (in diesem Fall: Juden) unter prinzipiellem Ausschluss aller anderen, soll die logische Konsequenz aus der nationalistisch-bürgerlich betriebenen Vernichtung einer absolut unzugehörigen Fraktion (Juden) in Nazideutschland sein. Als sei Hitlerdeutschland nicht auch ein bürgerlicher Nationalstaat gewesen – von Deutschen für Deutsche; exkludierte: Juden, Roma, andere Nicht-Arier, Kranke, Asoziale, Kommunisten. Die Konsequenz aus dem Holocaust soll also sein die Wiederholung derselben politischen Herrschaftsidee – bloß dieses Mal nicht unter faschistischen, sondern unter demokratischen Vorzeichen. Und wie man sieht: Fürs Unternehmen (utilitaristische) Auftrennung von Menschen in In- und Ausländer, in Rassen (USA: „black vote“, „latino vote“, „white vote“) und Begabungen (mehrgliedrige Schulsysteme), für faschistoide Bevölkerungskontrolle (deutsche Notstandsgesetze) und imperiale Kriege (Russlands Kriminvasion 2014, Israel seit 1968 in den palästinensischen Gebieten, Libanon und Syrien, NATOs Kosovokrieg 1999 etc.) braucht es gar keine Faschisten, Demokraten beherrschen dies alles ebenso gut.

An Israel gibt es nichts zu verteidigen, was an anderer Stelle nicht mit Recht kritisiert worden wäre und wird; z.B. an einem möglichen Nationalstaat Palästina: ein solcher Staat, heißt es da zurecht, wäre nichts weiter als die rassistische Antipode zum benachbarten Judenstaat, ein nach In- und Ausländer, nach Muslim und Nichtmuslim scheidendes, ein nach innen mit der üblichen Härte regierendes, und nach außen mit Israel um Macht und Geltung in der Region und der Welt streitendes Staatswesen.

An einer solchen Situation ist überhaupt nichts gut. An Staaten gibt es keine zu verteidigen.

Written by leftwingedbastard

18. Juni 2015 at 16:10

„Bildungsdiskriminierung“ in demokratischen Leistungsschulen

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Da kommen Schüler mit verschiedenen Wissensständen und mit unterschiedlichen materiellen und sozialen Ausgangslagen in der demokratischen Leisstungsschule an – der eine Schüler kann vielleicht schon lesen, der andere kann den Stift noch nicht richtig halten, beim einen verdient Elternteil 1 derart viel, dass Elternteil 2 zuhause bleiben kann, um sich intensiver um die Bedürfnisse des Kindes zu kümmern, beim anderen Kind sind beide Elternteile auf der Geldhatz, weil der erste Lohn hinten und vorne nicht reicht – und plötzlich werden sie alle gleich behandelt: die Klausuren müssen von allen Schülern unter den exakt gleichen Bedingungen (Zeit, Ort, Aufgabenstellung, Hilfsmittel etc.) abgeleistet werden, und das gleichgültig gegenüber der Frage, ob denn der einzelne Schüler den abzuprüfenden Stoff bereits verstanden hat oder nicht, und gleichgültig gegenüber jeder sonstigen individuellen Befindlichkeit – worin eben genau das Problem liegt.

Die unterschiedlichen Voraussetzungen mit denen Menschen die Bildungsinstitutionen vom Kindergarten bis zur Elitenveranstaltung Universität betreten, werden nicht zum Gegenstand individueller Berücksichtigung gemacht, es wird also – und darauf ist die demokratische Schule furchtbar stolz – eben nicht diskriminiert (lat.: discriminare – unterscheiden, trennen, auslesen), also nicht den inidivduellen Bedürfnissen nach gefördert und unterstützt um das Verstehen des Lernstoffs sicherzustellen, sondern umgekehrt die Ungleichheit der Schüler in gleichmacherischer Weise zum Mittel ihrer beruflichen und somit materiellen Einsortierung gemacht.

Trotzdem labern viele Linke an dieser Stelle oft und gerne was von „Bildungsdiskriminierung“. Mehr noch: Empört rufen sie aus, dass es doch gerade im Interesse des (deutschen) Staates liegen müsste, alle Kinderchen bestmöglichst zu bebilden. Enttäuscht stellen sie dann jedesmal fest, dass der Staat genau dieses ihm angeblich innewohnende Interesse mal wieder nicht oder nicht gründlich genug umgesetzt hat. Die in den Restschulen dieses Landes massenhaft produzierten „Bildungsversager“, viele von ihnen regelrechte Analphabeten, erkennen solche Linke dann als abzustellende Missgeburt eines ansonsten praktikablen Systems, dem sie sich ständig als Mahner und Verbesserer zur Seite stellen wollen (Gysi: „Ich will ein Top-Bildungssystem von Mecklenburg-Vorpommern bis Bayern„). Der Staat aber will so gar nicht auf sie hören, was Linke wiederum abwechselnd mal mit Zorn, und mal mit Verwunderung erfüllt. Der Staat müsse zu seinem Glück wohl irgendwie immer erst noch gezwungen werden, lautet eine lapidare Erklärung. (1)

Merkwürdig: Erst eine „Bildungsdiskriminierung“ ausrufen und deren Beseitigung in Verantwortung und Interesse des Staates stellen, schließlich aber doch feststellen, dass der Staat zur Umsetzung seines eigenen Interesses offenbar immer erst gezwungen werden muss. Da fragt sich schon: Was soll das für eine komische Art von Eigeninteresse sein, zu dessen Genuss ein Staat erst per Zwang gebracht werden muss? Als ob Staaten im allgemeinen dafür bekannt wären, sich mit der Durchsetzung ihrer Interessen, z.B. gegenüber ihren Bürgern oder anderen Staaten und deren Bürgern, vornehm zurückzuhalten oder gar in Verzicht zu üben.

Das Gegenteil ist ja gerade der Fall: Wo der Staat es für angebracht hält, da langt er hin. Ob nun Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu einem gigantischen Kontroll- und Betreuungsregime für Bürger mit Vernutzungshemmnissen (Hartz IV), ob eiligst beschlossene „Bankenrettungen“, oder Afghanistan-„Mandate“ (lustig: ein Land verleiht sich selbst den Auftrag, ein anderes zu überfallen), wenn der deutsche Staat seine Interessen bedroht sieht, wird er ganz von alleine aktiv. Fachliche Hilfe wird dazu keine benötigt. Von weltverbessernden Linken schon zweimal nicht. Was Regierungen erledigen, das erledigen sie gründlich.

Und so braucht der deutsche Staat zur Erledigung seines obersten Interesses, des nationalen Interesses, welches, abstrakt formuliert, darin besteht, dieses Land ökonomisch und weltpolitisch voranzubringen, nunmal nicht massenhaft verständige Menschen mit gutem Auskommen und viel Freizeit, sondern (im internationalen Vergleich) möglichst billige Arbeitskräfte auf der einen, und arbeitslose Schulversager auf der anderen Seite, die allesamt in ihrer Verzweiflung die eigene Ausbeutung fleißig mitorganisieren und per Zwangsversicherung in den Sozialkassen aufrechterhalten. Damit diese fällige Einsortierung in die Berufshierarchie den Menschen nicht so schwer fällt, leistet sich der deutsche Staat ein entsprechend strukturiertes Bildungssystem, das dieses Anliegen an frühstmöglicher Stelle durchsetzt und rechtfertigt. (2)

An einem solchen System, das nichts weniger als die ökonomische Klassierung der Gesellschaft mittels Notenvergabe zum Zweck hat, sollte man sich als Linker also lieber nicht mit Verbesserungsvorschlägen beteiligen. Der Staat weiß schon, warum er seine Verblödungsanstalten genau so und nicht anders organisiert hat.

 

(1) Andreas Kemper – Warum unternehmen die Länder nichts gegen Bildungsdiskriminierung?

(2) vgl. Ausbildung und Einbildung – Die Klassengesellschaft verteilt ihre Karrieren, Marxistische Streit- und Zeitschrift, 1986 Ausgabe 12

Written by leftwingedbastard

7. Februar 2015 at 22:45

Ich hab nix gegen Ausländer, aber…

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Den Spruch „Ich hab nichts gegen Ausländer, aber…“ sollte man für wahr nehmen: Der patriotische Deutsche lässt sich seinen Döner nämlich gerne schmecken, ebenso Besuche bei slowakischen Teeniehuren. Schwarze Haare und braune Augen? Die gibt’s auch westlich von Budapest. Tja, was nun also gegen diese Ausländer ins Feld führen? Sie nehmen für wenig Geld auch die unbeliebtesten Arbeiten an – sie nähen, sie waschen, sie kochen, sie putzen, machmal stehen sie am Straßenrand, manchmal mit ’nem Skalpel in der Hand im OP. Bei so vielen Vorteilen für den Standort Deutschland, bei solcher Dienstbeflissenheit, da bleibt nicht mehr allzuviel Raum für Vorwürfe.

Bloß gut, dass da der deutsche Staat mit einem Staatsbürgerschaftsrecht vorgesorgt hat. So weiß der deutsche Bürger immer, was Sache ist, und wer hier aus welchem Grund nicht dazugehört. Das Problem mit dem Ausländer besteht also schlicht darin, dass er Ausländer ist! Eine so alltägliche, wie mörderische Unterscheidung. Und sie reicht den Akteuren innerhalb dieser Demokratie als Begründung für so ziemlich alles. Ob nun für nächtliche Abschiebungen oder für Dönermorde. (1)

(1) siehe auch: Inländer und Ausländer: Der kleine mörderische Unterschied, Marxistische Streit- und Zeitschrift, 1986 Ausgabe 9

Written by leftwingedbastard

5. Februar 2015 at 18:04